Due Diligence beim Verkauf eines Zeitarbeitsunternehmens
AÜG-relevante Themen, Personal, Kunden und Zahlen prüfbar vorbereiten
Aus der Branche. Für die Branche.
Robert Buschbacher · ca. 10 Minuten Lesezeit
Kurzantwort |
Eine Due Diligence prüft, ob die wirtschaftlichen Aussagen eines Zeitarbeitsunternehmens durch Verträge, AÜG-Unterlagen, Einsatzdaten, Lohnabrechnung und Finanzzahlen belegt sind. Gute Vorbereitung bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Dateien hochzuladen. Entscheidend ist eine geschlossene Prüfspur: Aussage, Nachweis, Abstimmung und erkennbare Folge für Risiko, Kaufpreis oder Kaufvertrag. |
Käufer wollen vor einer Übernahme verstehen, welche Erträge nach dem Eigentümerwechsel bestehen bleiben und welche Verpflichtungen mit dem Unternehmen verbunden sind. In der Zeitarbeit hängt diese Antwort besonders eng an erlaubnisrechtlichen Unterlagen, tariflichen Regeln, Einsatzdauer, Zeitnachweisen, Lohnabrechnung, Kundenkonditionen und Vorfinanzierung. Wenn diese Informationen zusammenpassen, verkürzt das Rückfragen und stärkt die Verhandlungsposition.
Inhaltsverzeichnis
Due Diligence in der Zeitarbeit: Was Käufer prüfen
AÜG-relevante Themen und Compliance belastbar dokumentieren
Personal, Kunden und operative Leistung prüfen
Finanzen, Working Capital und Risiken abstimmen
Den Datenraum sinnvoll aufbauen
Prüfungsergebnisse in Kaufvertrag und Kaufpreis übersetzen
Häufige Fragen zur Due Diligence
Due Diligence in der Zeitarbeit: Was Käufer prüfen
Die Due Diligence in der Zeitarbeit ist die strukturierte Prüfung des Zielunternehmens vor dem Vertragsabschluss. Sie umfasst regelmäßig gesellschaftsrechtliche und vertragliche Themen, Finanzen und Steuern, AÜG-relevante Themen und Personal, Kunden und operative Abläufe sowie IT und Datenschutz. Umfang und Tiefe hängen von Dealform, Größe, Risiken und Informationslage ab.
Für Verkäufer ist die zentrale Frage: Lässt sich jede wesentliche Aussage über das Geschäft mit einer nachvollziehbaren Unterlage belegen und mit anderen Datenquellen abstimmen? Käufer suchen keine perfekte Historie. Sie wollen erkennen, welche Sachverhalte abgeschlossen, kalkulierbar oder noch offen sind.
Prüffeld | Typische Nachweise | Mögliche Folge |
Gesellschaft und Verträge | Handelsregister, Gesellschafterbeschlüsse, Finanzierungen, Kunden- und Lieferverträge | Vollzugsvoraussetzung, Garantie oder Zustimmung Dritter |
AÜG-relevante Themen und Personal | Erlaubnis, BA-Korrespondenz, Arbeits- und Überlassungsverträge, Tarifbezug, Zeit- und Lohndaten | Nachzahlung, Freistellung, Prozessanpassung oder Abbruchrisiko |
Kunden und Betrieb | Umsatz und Deckungsbeitrag je Kunde, Einsatzstruktur, Kündigungsregeln, offene Forderungen | Risikoeinordnung, Earn-out oder Übergabemaßnahme |
Finanzen und Steuern | Jahresabschlüsse, BWA, SuSa, Kontennachweise, Steuer- und Sozialversicherungsprüfungen | EBITDA-Bereinigung, Debt-like Item oder Kaufpreisanpassung |
IT und Datenschutz | Systemlandschaft, Rollen, Auftragsverarbeitung, Lösch- und Berechtigungskonzept | Abhilfemaßnahme, Garantie oder begrenzte Datenfreigabe |
Offene Punkte nicht bis zur letzten Runde aufheben |
Ein ungeklärter Prüfpunkt verliert selten an Bedeutung, wenn er spät auftaucht. Dokumentieren Sie früh den Sachverhalt, die verfügbare Evidenz, den Verantwortlichen und einen realistischen Klärungstermin. So bleibt aus einem offenen Punkt eher eine lösbare Aufgabe als eine Überraschung kurz vor dem Vertrag. |

AÜG-relevante Themen und Compliance belastbar dokumentieren
Die Arbeitnehmerüberlassung setzt grundsätzlich eine Erlaubnis der Bundesagentur für Arbeit voraus. Die Behörde prüft Zuverlässigkeit, Organisation und finanzielle Leistungsfähigkeit und führt Betriebsprüfungen durch. Für den Datenraum gehören deshalb die aktuelle Erlaubnis, frühere Bescheide, Nebenbestimmungen, relevante Änderungsanzeigen, Korrespondenz sowie Prüfberichte und deren Erledigungsnachweise zusammen. [Q1][Q2]
Erlaubnissituation und Verantwortlichkeiten
Stimmen Rechtsträger, Firmierung, Sitz, Niederlassungen und verantwortliche Personen mit den vorgelegten Unterlagen überein? Sind Veränderungen der Geschäftsführung oder der betrieblichen Organisation angezeigt und offene Auflagen erledigt? Ein Käufer muss erkennen können, auf welcher Grundlage das Unternehmen Arbeitnehmerüberlassung betreibt und ob die Organisation die gesetzlichen Pflichten zuverlässig erfüllt.
Eine geschlossene Prüfspur je Einsatz
Die vertragliche und tatsächliche Durchführung sollte anhand repräsentativer Einsätze nachvollziehbar sein. § 1 AÜG verlangt unter anderem, dass die Überlassung vor Beginn ausdrücklich als Arbeitnehmerüberlassung bezeichnet und die Person konkretisiert wird. § 8 AÜG regelt den Gleichstellungsgrundsatz und die Voraussetzungen tariflicher Abweichungen. [Q3][Q4]
Station | Prüfnachweis | Abstimmung |
1 Arbeitsverhältnis | Arbeitsvertrag, Tarifbezug, Vergütung, Arbeitszeit | Passt die Vertragslage zur Lohnabrechnung? |
2 Überlassung | AÜ-Vertrag, Bezeichnung und Konkretisierung vor Einsatzbeginn | Passen Person, Kunde, Tätigkeit und Zeitraum zusammen? |
3 Einsatzregeln | Einsatzdauer, Unterbrechungen, Branchenzuschlag und Equal-Pay-Prüfung | Ist die Berechnung dokumentiert und reproduzierbar? |
4 Zeitnachweis | Bestätigte Stunden, Zuschläge, Fehl- und Nichteinsatzzeiten | Passen Stunden zu Lohn und Kundenrechnung? |
5 Abrechnung | Lohnabrechnung, Sozialversicherung und Rückstellungen | Sind Vergütungsbestandteile vollständig berücksichtigt? |
6 Faktura | Verrechnungssatz, Zuschläge, Gutschriften und Erlöskonto | Lässt sich der Deckungsbeitrag zum Einsatz erklären? |
Stichprobe mit Aussagekraft |
Wählen Sie nicht nur die saubersten Akten. Eine gute Stichprobe umfasst unterschiedliche Kunden, Tätigkeiten, Einsatzdauern, Tarif- oder Branchenzuschlagskonstellationen und Zeiträume. Dokumentieren Sie Auswahl, Ergebnis und Korrektur. Das erleichtert die Käuferprüfung und zeigt, dass Abweichungen systematisch bearbeitet werden. |

Personal, Kunden und operative Leistung prüfen
Die wirtschaftliche Qualität eines Zeitarbeitsunternehmens entsteht im Zusammenspiel von Kunden, externen Mitarbeitern und internem Team. Käufer prüfen daher nicht nur Umsatz und Kopfzahlen. Sie wollen verstehen, welche Einsätze Deckungsbeitrag liefern, wie stabil die Besetzung ist, wer Kundenbeziehungen trägt und welche Funktionen nach der Übergabe weiterarbeiten.
Bereich | Käuferfrage | Verkäufernachweis |
Kunden | Wie konzentriert sind Umsatz und Deckungsbeitrag? Welche Kündigungs- und Preisregeln gelten? | Kundenliste mit Umsatz, Stunden, Deckungsbeitrag, Forderungen, Laufzeit und Ansprechpartner-Risiko |
Externe Mitarbeiter | Wie stabil sind Einsätze, Qualifikationen und Verfügbarkeit? | Anonymisierte Einsatzmatrix, Fluktuation, Fehlzeiten, Urlaub, Arbeitszeitkonten und Recruitingdauer |
Internes Team | Hängen Vertrieb, Disposition, Recruiting oder Lohnlauf am Inhaber? | Rollen, Vollmachten, Vertretung, Kapazitäten und geplanter Übergang |
Betrieb | Sind Zeit, Lohn, Faktura und Controlling verlässlich verbunden? | Prozessbeschreibung, Systemauszüge, Monatsabschluss und dokumentierte Kontrollen |
In einer frühen Prozessphase reichen für viele Analysen aggregierte oder pseudonymisierte Daten. Namen und unmittelbar personenbezogene Unterlagen werden erst freigegeben, wenn Zweck, Rechtsgrundlage, Empfängerkreis und Schutzmaßnahmen geklärt sind. Das reduziert unnötige Datenweitergaben, ohne die wirtschaftliche Prüfung zu blockieren. [Q7][Q8]
Konzentration auf Ergebnisebene messen
Ein Kunde mit hohem Umsatz kann einen unterdurchschnittlichen Deckungsbeitrag liefern. Umgekehrt kann ein kleinerer Kunde überproportional zum Ergebnis beitragen. Ergänzen Sie die Umsatzsicht daher um fakturierte Stunden, direkten Personalaufwand, Deckungsbeitrag, Forderungsalter und vertragliche Kündigungsregeln. Bei Ansprechpartnern sollte sichtbar sein, ob die Beziehung institutionell verankert oder stark inhaberabhängig ist.
Kundenliste nach Deckungsbeitrag aufbauen |
Ergänzen Sie für die wichtigsten Kunden Umsatz, fakturierte Stunden, direkten Personalaufwand, Deckungsbeitrag, Zahlungsziel, Forderungsalter und Kündigungsfrist. Diese Liste verbindet kommerzielle Qualität mit Ergebnis und Liquidität und ist aussagekräftiger als eine reine Umsatzrangfolge. |
Finanzen, Working Capital und Risiken abstimmen
Finanzzahlen werden belastbar, wenn sie sich vom operativen Datensatz bis zum Abschluss verfolgen lassen. Käufer stimmen typischerweise Jahresabschluss, aktuelle BWA und Summen- und Saldenliste mit Lohnjournal, Zeitwirtschaft, Faktura, offenen Posten und Bank- oder Factoringdaten ab. Abweichungen sind nicht automatisch kritisch. Sie müssen aber erklärt, beziffert und zeitlich zugeordnet sein.
Abstimmung | Prüfschritt | Warnsignal |
Stunden zu Umsatz | Fakturierte Stunden × Verrechnungssatz, ergänzt um Zuschläge, Gutschriften und periodenfremde Posten | Umsatzsprünge ohne passende Stunden- oder Preisentwicklung |
Lohn zu Einsatz | Bezahlte Stunden, Zuschläge, Fehlzeiten und Nichteinsatz gegen Zeitwirtschaft und Personalaufwand | Nicht erklärbare Differenzen oder manuelle Korrekturen ohne Freigabe |
Forderungen zu Liquidität | Offene Posten, Zahlungseingänge, Factoring und Rückgriffe nach Kunde und Alter | Überfällige Großpositionen oder strittige Leistungen |
EBITDA zu Cashflow | Bereinigtes Ergebnis gegen Veränderung von Forderungen, Verbindlichkeiten und Rückstellungen | Wachstum ohne Finanzierung der Vorleistung |
Rückstellungen zu Pflichten | Urlaub, Arbeitszeitkonten, Boni, Prüfungsrisiken und Rechtsstreitigkeiten | Historische Verpflichtungen ohne nachvollziehbare Bewertung |
Bereinigung, Debt-like Item und Working Capital trennen
Ein Sachverhalt kann das nachhaltige Ergebnis, die schuldenähnlichen Positionen oder das Working Capital beeinflussen. Diese Ebenen dürfen nicht vermischt werden. Beispiel: Ein dauerhaft höherer Personalaufwand senkt das nachhaltige EBITDA. Ein bereits entstandener, noch nicht bezahlter Anspruch kann zusätzlich eine Verpflichtung zum Vollzugstag sein. Entscheidend ist eine klare Definition im Kaufvertrag und die Vermeidung einer doppelten Berücksichtigung.
Die Deutsche Rentenversicherung prüft Arbeitgeber grundsätzlich mindestens alle vier Jahre. Für die Due Diligence sollten Prüfberichte, angeforderte Unterlagen, Nachzahlungen und Erledigungsnachweise vollständig vorliegen. Die Entgeltunterlagen müssen mit Meldungen, Beiträgen und Buchhaltung abstimmbar sein. [Q5][Q6]
Eine Liste für alle wertrelevanten Punkte |
Führen Sie eine Issue-Liste mit Sachverhalt, Datenquelle, Zeitraum, Brutto- und Nettoeffekt, Verantwortlichem, Status und möglicher Vertragsfolge. Kennzeichnen Sie, ob der Effekt bereits im nachhaltigen EBITDA, in Net Debt oder im Working Capital berücksichtigt ist. |
Den Datenraum sinnvoll aufbauen
Ein guter Datenraum folgt der Prüfungslogik. Nummerierte Ordner, eindeutige Dateinamen, ein Stichtag und eine Versionshistorie helfen mehr als eine große unsortierte Ablage. Jede angeforderte Unterlage erhält einen Status. Rückfragen werden in einem Q&A-Protokoll beantwortet, damit alle zugelassenen Prüfer dieselbe belastbare Information erhalten.
Ordner | Inhalt | Zugriff |
01 Gesellschaft | Register, Satzung, Beschlüsse, Vollmachten, Organigramm | Frühphase; vertrauliche Einzelpunkte beschränken |
02 AÜG-relevante Themen und Compliance | Erlaubnis, Anzeigen, BA-Korrespondenz, Prüfberichte, Maßnahmen | Frühphase; offene Verfahren separat kennzeichnen |
03 Finanzen und Steuern | Abschlüsse, BWA, SuSa, Konten, Steuern, Sozialversicherung | Gestuft; Detailkonten nur für benannte Prüfer |
04 Kunden und Verträge | Kundenmatrix, Konditionen, Kündigung, Forderungen, wesentliche Verträge | Zunächst anonymisiert oder geschwärzt |
05 Personal | Struktur, Arbeits- und Einsatzdaten, Rückstellungen, Schlüsselrollen | Aggregiert; personenbezogene Daten spät und restriktiv |
06 Betrieb, IT und Datenschutz | Prozesse, Systeme, Berechtigungen, AV-Verträge, Löschkonzept | Rollenbasiert; Sicherheitsdetails begrenzen |
07 Transaktion und Q&A | Anforderungsliste, Antworten, Issue-Liste, Vertragsentwürfe | Kleiner, dokumentierter Empfängerkreis |
Zugriff in Stufen freigeben
Starten Sie mit aggregierten und anonymisierten Informationen. Nach belastbarer Kaufabsicht können geschwärzte Vertragsauszüge und Detaildaten folgen. Personenbezogene Daten oder besonders sensible Geschäftsgeheimnisse werden nur bereitgestellt, wenn sie für die konkrete Prüfung erforderlich sind und angemessene organisatorische und technische Schutzmaßnahmen bestehen.
Die Datenschutzkonferenz empfiehlt bei Asset Deals eine differenzierte datenschutzrechtliche Betrachtung; schon die Due-Diligence-Phase ist gesondert zu prüfen. Die DSGVO verlangt Zweckbindung, Datenminimierung und angemessene Sicherheit. Geschäftsgeheimnisse setzen zudem angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen voraus. [Q7][Q8][Q9]
Keine unkontrollierte Weitergabe per E-Mail |
Nutzen Sie benannte Nutzer, rollenbasierte Rechte, Protokollierung, Lesemodus oder Wasserzeichen und einen geregelten Q&A-Prozess. Personenbezogene Dateien und sensible Kundeninformationen gehören nicht in frei weitergeleitete E-Mail-Anhänge. |

Prüfungsergebnisse in Kaufvertrag und Kaufpreis übersetzen
Ein Due-Diligence-Befund ist erst entscheidungsreif, wenn vier Punkte feststehen: Sachverhalt, Evidenz, wirtschaftliche Größenordnung und Konsequenz. Je nach Thema kann die Lösung vor dem Signing erfolgen oder über Kaufvertrag, Kaufpreis und Vollzugsbedingungen abgesichert werden.
Befund | Mögliche Einordnung | Typische Lösung |
Unklare Equal-Pay-Berechnung für eine abgegrenzte Einsatzgruppe | Historisches Zahlungs- und Beitragsrisiko | Nachberechnung, Abhilfe, Freistellung oder Einbehalt |
Befristete Erlaubnis oder offene Auflage | Fortführungs- und Vollzugsrisiko | Klärung vor Signing oder Vollzugsbedingung |
Strittige Großforderung | Liquiditäts- und Werthaltigkeitsrisiko | Ausbuchung, Kaufpreisanpassung oder separater Einzug |
Nicht vollständig erfasste Urlaubs- oder Arbeitszeitkonten | Verpflichtung zum Stichtag | Rückstellung oder Debt-like-Definition |
Hohe Abhängigkeit von einem Kunden oder Inhaber | Zukünftiges Ertragsrisiko | Übergabeplan, Earn-out oder vorsichtigere Planung |
Geeignete Instrumente sind eine Korrektur vor Vertragsabschluss, eine Garantie, eine spezielle Freistellung, eine Vollzugsbedingung, ein Kaufpreiseinbehalt oder Escrow, ein Earn-out oder eine Anpassung von Net Debt und Working Capital. Das Instrument muss zum Risiko passen. Ein bereits im nachhaltigen Ergebnis abgebildeter Effekt darf nicht ohne Begründung ein zweites Mal vollständig im Kaufpreis abgezogen werden.
Befunde mit Ampel und Verantwortlichem steuern |
Rot: vor Signing oder Vollzug zu lösen. Gelb: quantifiziert und vertraglich zu regeln. Grün: geprüft, dokumentiert und ohne weitere Maßnahme. Hinterlegen Sie zu jedem Punkt einen Verantwortlichen, eine Frist, den Nachweis und die wertmäßige Auswirkung. |
Vertiefung: Unternehmensbewertung eines Zeitarbeitsunternehmens sowie Asset Deal in der Zeitarbeit und Share Deal in der Zeitarbeit.
Häufige Fragen zur Due Diligence
Wann sollte die Vorbereitung beginnen?
Sobald ein Verkauf ernsthaft erwogen wird. Drei bis sechs Monate Vorlauf helfen, Unterlagen abzustimmen, offene Prüfungsfeststellungen zu erledigen und die Datenfreigabe zu strukturieren. Entscheidend ist weniger ein fixer Zeitraum als ein belastbarer Monatsabschluss und eine vollständige Dokumentation der AÜG-relevanten Themen.
Wie lange dauert eine Due Diligence?
Bei einem geordneten mittelständischen Prozess oft mehrere Wochen. Dauer und Aufwand hängen von Unternehmensgröße, Dealform, Zahl der Prüfer, Datenqualität und offenen Fragen ab. Unsortierte Daten oder widersprüchliche Antworten verlängern die Prüfung.
Reichen anonymisierte Daten aus?
Für frühe Analysen häufig ja. Kunden- und Mitarbeiterstrukturen lassen sich zunächst aggregiert oder pseudonymisiert prüfen. Für Vertragsprüfung und ausgewählte Stichproben können später Detaildaten erforderlich sein. Zweck, Rechtsgrundlage und Zugriffsrechte müssen vorher geklärt sein.
Darf der Käufer Kunden oder Mitarbeiter kontaktieren?
Nicht ohne abgestimmten Prozess. Direkte Kontakte können Beziehungen, Vertraulichkeit und den Betriebsfrieden gefährden. Zeitpunkt, Personenkreis, Gesprächsführung und Dokumentation sollten zwischen Verkäufer und Käufer ausdrücklich vereinbart werden.
Was unterscheidet Share Deal und Asset Deal in der Prüfung?
Beim Share Deal bleibt der Rechtsträger bestehen; deshalb stehen historische Verpflichtungen und die gesamte Gesellschaft im Mittelpunkt. Beim Asset Deal ist zusätzlich genau zu prüfen, welche Verträge, Mitarbeiter, Vermögenswerte und Verpflichtungen übergehen und wie die Fortführung gesichert wird.
Senkt jeder Befund automatisch den Kaufpreis?
Nein. Ein Befund kann vor Vollzug behoben, durch eine Garantie oder Freistellung geregelt, im Kaufpreis berücksichtigt oder als akzeptiertes Risiko dokumentiert werden. Entscheidend sind Eintrittswahrscheinlichkeit, Höhe und bereits erfolgte Berücksichtigung im Ergebnis.
Was ist der erste praktische Schritt?
Erstellen Sie eine Anforderungsliste und prüfen Sie drei Belegketten: AÜG-relevante Unterlagen je Einsatz, Stunden bis Lohn und Rechnung sowie Kunden- und Forderungsdaten bis zum Monatsabschluss. Die dabei gefundenen Lücken bestimmen die weitere Priorität.
Due Diligence vorbereiten, bevor Fragen den Prozess treiben
Eine gute Vorbereitung macht Stärken prüfbar und offene Punkte beherrschbar. Sie verbindet AÜG-relevante Themen, Personal, Kunden, Zahlen und Vertrag zu einer konsistenten Geschichte. Wer die wichtigsten Abstimmungen vor dem Datenraum erledigt, kann Käuferfragen schneller beantworten und wertrelevante Themen früher einordnen.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen? |
Ich habe Zeitarbeitsunternehmen auf Geschäftsführungsebene geführt, saniert und verkauft. Wenn Sie die Verkaufsfähigkeit Ihres Unternehmens und die Vorbereitung der Due Diligence einordnen möchten, beginnen Sie mit dem kostenfreien Schnell-Check. Für die konkrete Prüfung sollten wirtschaftliche, rechtliche, steuerliche und datenschutzrechtliche Fachleute eingebunden werden. |
Weitere Fachbeiträge zu Bewertung und Verkauf erhalten Sie im Wissensbereich.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine rechtliche, steuerliche, arbeitsrechtliche oder datenschutzrechtliche Beratung. Beispiele und Prüfschritte sind branchenspezifische Erläuterungen, keine Aussage zu einer konkreten Transaktion.
Quellen und weiterführende Grundlagen
Fachlicher Stand und Abruf der Quellen: 13.10.2026. Die branchenspezifische Struktur und die Beispiele sind redaktionelle Erläuterungen. Verweise auf Gesetze und Behördeninformationen dienen der Einordnung.
Q1 Bundesagentur für Arbeit · Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung | Erlaubnis, Voraussetzungen, Unterlagen und Betriebsprüfung.
Q2 Bundesagentur für Arbeit · Fachliche Weisungen AÜG | Verwaltungspraxis zur Erlaubnis und Prüfung nach dem AÜG.
Q3 Gesetze im Internet · § 1 AÜG | Erlaubnispflicht, Kennzeichnung, Konkretisierung und Überlassungshöchstdauer.
Q4 Gesetze im Internet · § 8 AÜG | Grundsatz der Gleichstellung und tarifliche Abweichungen.
Q5 Deutsche Rentenversicherung · Betriebsprüfung bei Arbeitgebern | Prüfungsumfang und bereitzuhaltende Unterlagen.
Q6 Gesetze im Internet · § 28p SGB IV | Prüfung von Meldungen und Gesamtsozialversicherungsbeiträgen.
Q7 Datenschutzkonferenz · Datenübermittlung im Asset Deal | Differenzierte datenschutzrechtliche Betrachtung von Due Diligence und Transaktion.
Q8 EUR-Lex · Datenschutz-Grundverordnung | Zweckbindung, Datenminimierung und Sicherheit der Verarbeitung.
Q9 Gesetze im Internet · § 2 GeschGehG | Angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen als Merkmal eines Geschäftsgeheimnisses.




