Share Deal in der Zeitarbeit
- Robert Buschbacher von SummitIQ

- 15. Juli
- 10 Min. Lesezeit
Gesellschaft, AÜ-Erlaubnis und Kaufpreislogik richtig prüfen
Ein Share Deal in der Zeitarbeit bedeutet, dass nicht einzelne Vermögensbestandteile verkauft werden, sondern die Gesellschaftsanteile an einem bestehenden Zeitarbeitsunternehmen. Der Rechtsträger bleibt bestehen; Kundenverträge, Arbeitsverhältnisse, Forderungen, Verbindlichkeiten, Bankbeziehungen und die AÜ-Erlaubnis verbleiben grundsätzlich in derselben Gesellschaft. Für Käufer ist das attraktiv, wenn Kontinuität, Kundenbindung und Erlaubnishistorie erhalten bleiben sollen. Gleichzeitig übernimmt der Käufer aber auch die Vergangenheit der Gesellschaft. Deshalb sind Due Diligence, Garantien, Freistellungen, Kaufpreislogik, Working Capital und eine saubere Übergabe der Geschäftsführung entscheidend. Ein guter Share Deal verkauft nicht nur „Anteile“, sondern ein fortführungsfähiges System aus Kunden, internen und externen Mitarbeitern, Compliance, Ertragskraft und Liquiditätssteuerung.
Inhaltsverzeichnis
Wann ein Share Deal in der Zeitarbeit sinnvoll ist
Was beim Share Deal tatsächlich verkauft wird
AÜ-Erlaubnis, Rechtsträger und Geschäftsführung
Due Diligence: Was Käufer besonders prüfen
Kaufpreislogik: Enterprise Value, Equity Value und Working Capital
Garantien, Freistellungen und Verkäuferrisiken
Stichtag, Zahlung und Übergabe
Ablauf eines Share Deals in der Praxis
Häufige Fehler und FAQ
Wann ein Share Deal in der Zeitarbeit sinnvoll ist
Ein Share Deal ist in der Zeitarbeit besonders dann sinnvoll, wenn der laufende Geschäftsbetrieb als Einheit fortgeführt werden soll. Der Käufer erwirbt die Gesellschaftsanteile und übernimmt damit den bestehenden Rechtsträger. Anders als beim Asset Deal müssen Kunden, Mitarbeiter, Verträge und die operative Organisation nicht einzeln aus der Gesellschaft herausgelöst werden. Das kann die Kontinuität erhöhen und den Übergang gegenüber Kunden, Mitarbeitern und Behörden deutlich vereinfachen.
Der Share Deal eignet sich vor allem für geordnete und fortführungsfähige Zeitarbeitsunternehmen mit nachvollziehbaren Zahlen, stabilen Kundenbeziehungen, funktionierendem internen Team und sauberer AÜ-rechtlicher Historie. Je größer die Unsicherheiten aus Steuern, Sozialversicherung, Lohnabrechnung, AÜG-Prüfungen oder Rechtsstreitigkeiten sind, desto intensiver wird der Käufer diese Risiken prüfen und im Kaufvertrag absichern.
Typische Situationen für einen Share Deal
Der Käufer möchte die bestehende Gesellschaft mit Kunden, Mitarbeitern, Verträgen und Historie fortführen.
Die AÜ-Erlaubnis und die Erlaubnishistorie sind für den Käufer wirtschaftlich relevant.
Kundenverträge und Rahmenvereinbarungen sollen ohne aufwendige Einzelübertragung bestehen bleiben.
Das Unternehmen ist profitabel oder nachvollziehbar sanierungsfähig.
Die Risiken der Gesellschaft sind bekannt, begrenzbar und vertraglich beherrschbar.

Was beim Share Deal tatsächlich verkauft wird
Beim Share Deal werden Geschäftsanteile verkauft. Der Käufer übernimmt also nicht einzelne Vermögensbestandteile, sondern die Beteiligung an der Gesellschaft. Die Gesellschaft selbst bleibt bestehen. Dadurch verbleiben grundsätzlich auch Verträge, Arbeitsverhältnisse, Forderungen, Verbindlichkeiten, Bankkonten, Genehmigungen, Mietverträge und die operative Historie in diesem Rechtsträger.
Das ist der zentrale Unterschied zum Asset Deal. Beim Asset Deal wird gefragt: Welche Vermögensbestandteile werden übertragen? Beim Share Deal lautet die Frage: Welche Risiken und Werte stecken in der Gesellschaft, deren Anteile verkauft werden? Genau deshalb ist die Due Diligence im Share Deal regelmäßig breiter und tiefer.
Bereich | Was bleibt in der Gesellschaft? | Warum Käufer genau prüfen? |
Kundenverträge | Rahmenverträge, laufende Einsätze, Konditionen, Zahlungshistorie. | Der Käufer möchte wissen, ob Umsätze nach Closing stabil bleiben. |
Mitarbeiter | Interne und externe Arbeitsverhältnisse, Urlaub, Arbeitszeitkonten, Lohnhistorie. | Personalverpflichtungen und Einsatzstabilität bestimmen Wert und Risiko. |
AÜ-Erlaubnis | Die Erlaubnis verbleibt beim Rechtsträger, sofern die Gesellschaft fortbesteht. | Erlaubnishistorie, Zuverlässigkeit und Änderungen in der Geschäftsführung sind prüfrelevant. |
Forderungen und Verbindlichkeiten | Offene Posten, Darlehen, Steuern, Sozialabgaben, Lieferanten und Bankverbindlichkeiten. | Diese Positionen verändern den finalen Eigenkapitalwert. |
Rechts- und Steuerrisiken | Vergangenheit der Gesellschaft, Prüfungen, Streitigkeiten, Rückstellungen. | Altlasten werden wirtschaftlich übernommen und im Vertrag abgesichert. |
Organisation und Daten | IT, HR-Systeme, Lohnabrechnung, Recruiting, Controlling, Prozesse. | Der Käufer muss den Betrieb ab Closing zuverlässig steuern können. |
Hinweis: Anteilskauf ist kein risikofreier Kauf |
Der Share Deal wirkt auf den ersten Blick einfacher, weil der Rechtsträger bestehen bleibt. Wirtschaftlich ist er aber oft anspruchsvoller, weil der Käufer nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit der Gesellschaft mitbewertet. |
AÜ-Erlaubnis, Rechtsträger und Geschäftsführung
Die AÜ-Erlaubnis ist beim Share Deal besonders wichtig, weil sie nicht als einzelner Vermögensgegenstand übertragen wird, sondern beim bestehenden Rechtsträger verbleibt. Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zum Asset Deal. Der Käufer erwirbt die Gesellschaft, in der die Erlaubnis bereits besteht. Damit bleibt die Erlaubnissituation grundsätzlich im selben Unternehmen verankert, muss aber im Zusammenhang mit Eigentümerwechsel, Geschäftsführung, Zuverlässigkeit und Organisation sorgfältig geprüft werden.
Für den Käufer ist entscheidend, ob die Gesellschaft ihre Arbeitnehmerüberlassung rechtssicher betreiben darf und ob die Erlaubnishistorie belastbar ist. Geprüft werden unter anderem Erlaubnisbescheide, Korrespondenz mit der Bundesagentur für Arbeit, Prüfberichte, Tarifbindung, Equal-Pay-Themen, Überlassungshöchstdauer, Branchenzuschläge, Lohnabrechnung, Sozialversicherung und organisatorische Verantwortlichkeiten.
Was im Share Deal besonders zu klären ist
Wer wird nach Closing Geschäftsführer und fachlich verantwortliche Person?
Wurden Änderungen gegenüber der zuständigen Behörde ordnungsgemäß angezeigt oder vorbereitet?
Gibt es Feststellungen aus AÜG-, Lohnsteuer- oder Sozialversicherungsprüfungen?
Sind Tarifbindung, Equal Pay, Branchenzuschläge und Höchstüberlassungsdauer dokumentiert?
Sind Bürgschaften, Sicherheitsleistungen oder behördliche Anforderungen bekannt?
Hinweis: Der Käufer übernimmt die Erlaubnishistorie mit |
Bei einem Share Deal ist die AÜ-Erlaubnis ein wesentlicher Bestandteil der Transaktionslogik. Sie macht den Rechtsträger attraktiv, ersetzt aber keine Prüfung. Wer eine Gesellschaft kauft, übernimmt auch deren Prüf- und Compliance-Historie. Genau hier entscheidet sich, ob der Share Deal nur formal möglich oder auch wirtschaftlich sicher ist. |
Due Diligence: Was Käufer besonders prüfen
Die Due Diligence ist beim Share Deal in der Zeitarbeit der entscheidende Prüfblock. Der Käufer muss verstehen, ob die Gesellschaft wirtschaftlich tragfähig, rechtlich sauber und operativ übergabefähig ist. Jahresabschlüsse allein reichen dafür nicht aus. Personaldienstleister werden über aktuelle Einsatzdaten, Deckungsbeiträge, Kundenstruktur, Lohnkosten, Forderungslaufzeiten, Arbeitszeitkonten und Compliance bewertet.
Prüfbereich | Typische Unterlagen | Käuferfrage |
Finanzen | Jahresabschlüsse, BWA, SuSa, OPOS, Darlehen, Factoring, Bankkonten. | Wie nachhaltig ist das Ergebnis und welche Bilanzpositionen verändern den Kaufpreis? |
Kunden | Rahmenverträge, Kundenumsätze, Margen, Top-Kunden, Kündigungsrechte. | Bleiben Umsatz und Deckungsbeitrag nach Closing stabil? |
Externe Mitarbeiter | Mitarbeiterliste, Einsatz, Lohn, Verrechnungssatz, Urlaub, AZK, Fehlzeiten. | Welche Mitarbeiter tragen den Ertrag und welche Verpflichtungen bestehen? |
Interne Organisation | Organigramm, Schlüsselpersonen, Prozesse, Recruiting, Lohnabrechnung. | Kann das Unternehmen ohne den bisherigen Inhaber funktionieren? |
AÜG & Compliance | Erlaubnis, Prüfberichte, Tarifbindung, Equal Pay, Höchstüberlassung. | Gibt es Risiken, die nach Closing zu Nachforderungen oder Einschränkungen führen? |
Steuern & Sozialversicherung | Steuerbescheide, Lohnsteuer, SV-Prüfungen, Rückstellungen. | Welche Altzeiträume können noch wirtschaftlich relevant werden? |
Datenraum: Analysen mit Branchenlogik aufbauen
Ein guter Datenraum beantwortet nicht nur formale Fragen. Er muss zeigen, wie das Geschäftsmodell tatsächlich funktioniert: welche Kunden profitabel sind, welche Mitarbeiter aktiv im Einsatz sind, welche Lohn- und Verrechnungssätze gelten, wie hoch die Arbeitszeitkonten sind und wie viel Liquidität für den laufenden Betrieb benötigt wird.

Kaufpreislogik: Enterprise Value, Equity Value und Working Capital
Beim Share Deal wird häufig zunächst ein Unternehmenswert auf operativer Ebene abgeleitet. Dieser Enterprise Value beschreibt den Wert des Geschäfts unabhängig von der konkreten Finanzierung und Bilanzstruktur. Der tatsächlich für die Anteile gezahlte Kaufpreis ist jedoch der Equity Value. Zwischen beiden Größen liegen insbesondere Finanzverbindlichkeiten, liquide Mittel, Gesellschafterdarlehen, Rückstellungen und ein normalisiertes Working Capital.
In der Zeitarbeit ist Working Capital besonders wichtig, weil Löhne, Sozialabgaben, Lohnsteuer, Urlaub, Krankheit und Arbeitszeitkonten regelmäßig finanziert werden müssen, bevor Kunden ihre Rechnungen bezahlen. Ein Käufer wird deshalb prüfen, welche Liquidität die Gesellschaft zum Stichtag benötigt, um den Geschäftsbetrieb ohne zusätzliche Finanzierungslücke fortzuführen.
Begriff | Bedeutung im Share Deal | Branchenspezifische Relevanz |
Enterprise Value | Operativer Unternehmenswert vor Finanzschulden und liquiden Mitteln. | Ausgangspunkt für die Bewertung der nachhaltigen Ertragskraft. |
Equity Value | Wert der Gesellschaftsanteile nach Berücksichtigung von Cash, Debt und weiteren Anpassungen. | Entscheidend für den tatsächlich zu zahlenden Anteilskaufpreis. |
Cash / Debt | Liquide Mittel und Finanzverbindlichkeiten zum Stichtag oder Locked-Box-Datum. | Bankguthaben, Darlehen, Factoring und Gesellschafterforderungen beeinflussen den Kaufpreis. |
Working Capital | Normaler Finanzierungsbedarf des laufenden Geschäfts. | Forderungslaufzeiten, Lohnvorfinanzierung und Arbeitszeitkonten sind kaufpreisrelevant. |
Rückstellungen | Bilanzielle Vorsorge für Risiken oder Verpflichtungen. | Urlaub, Boni, Rechtsstreitigkeiten, Prüfungsrisiken oder Personalthemen müssen plausibel sein. |
Sondereffekte | Einmalige oder nicht wiederkehrende Effekte im Ergebnis. | Inhaberbezüge, Sonderkosten, Sanierungseffekte und atypische Kundenverluste müssen bereinigt werden. |

Hinweis: Warum Cash nicht automatisch beim Verkäufer landet |
Wird ein Share Deal auf Cash-/Debt-Free-Basis verhandelt, kann überschüssige Liquidität den Kaufpreis erhöhen oder vor Closing entnommen werden, sofern dies vertraglich zulässig ist. Gleichzeitig verlangt der Käufer regelmäßig ein normales Working Capital in der Gesellschaft. Gerade in der Zeitarbeit darf Liquidität nicht nur als Bankguthaben betrachtet werden, sondern muss zur Lohn- und Forderungsvorfinanzierung passen. |
Garantien, Freistellungen und Verkäuferrisiken
Im Share Deal übernimmt der Käufer die Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit. Deshalb werden Risiken nicht nur über den Kaufpreis, sondern auch über Garantien, Freistellungen, Haftungsbegrenzungen und Kaufpreismechanismen geregelt. Verkäufer sollten diese Punkte früh verstehen, weil sie wirtschaftlich ähnlich wichtig sein können wie der nominelle Kaufpreis.
Thema | Typische Käufererwartung | Verkäufer sollte vorbereiten |
AÜG-Compliance | Garantie zur gültigen Erlaubnis und zur Einhaltung wesentlicher AÜG-Pflichten. | Erlaubnisbescheide, Prüfberichte und offene Punkte transparent darstellen. |
Steuern und Sozialversicherung | Freistellung für Altzeiträume oder bekannte Risiken. | Bescheide, Prüfberichte, Nachweise und Steuerberater-Einschätzung zusammentragen. |
Jahresabschluss und BWA | Richtigkeit, Vollständigkeit und keine wesentlichen nicht offengelegten Verbindlichkeiten. | Zahlen bereinigen und Sondereffekte erklären. |
Personalverpflichtungen | Transparenz zu Urlaub, Arbeitszeitkonten, Boni, Abmahnungen, Klagen. | Aktuelle Personalübersichten und Stichtagslisten erstellen. |
Kundenverträge | Keine bekannten Kündigungen, korrekte Vertragslage, keine verdeckten Rabatte. | Top-Kunden, Konditionen und Risiken dokumentieren. |
Haftungsbegrenzung | Käufer will ausreichenden Schutz; Verkäufer will kalkulierbare Haftung. | Caps, De-minimis, Basket, Laufzeiten und Freistellungen verhandeln. |
Hinweis:Der höchste Kaufpreis ist nicht automatisch das beste Angebot |
Ein Angebot mit hohem Kaufpreis, aber weitreichenden Garantien, langen Haftungsfristen und unklarer Kaufpreisanpassung kann wirtschaftlich schlechter sein als ein niedrigeres, aber sauber strukturiertes Angebot. Beim Share Deal muss immer Kaufpreis plus Risiko betrachtet werden. |
Stichtag, Zahlung und Übergabe
Der Stichtag legt fest, ab welchem Zeitpunkt Chancen und Risiken wirtschaftlich dem Käufer zugerechnet werden. Im Share Deal wird häufig mit einem Locked-Box-Modell oder mit Closing Accounts gearbeitet. Beide Modelle können sinnvoll sein, verfolgen aber unterschiedliche Logiken.
Modell | Funktionsweise | Worauf in der Zeitarbeit zu achten ist |
Locked Box | Kaufpreis wird auf Basis eines festgelegten Bilanzstichtags vereinbart; danach gelten Entnahmeverbote und Leakage-Regeln. | Zwischen Stichtag und Closing müssen Lohnvorfinanzierung, Forderungen und normale Geschäftstätigkeit sauber überwacht werden. |
Closing Accounts | Kaufpreis wird nach Closing anhand tatsächlicher Bilanzwerte angepasst. | Geeignet, wenn Cash, Debt, Working Capital oder Forderungen stark schwanken. |
Earn-out | Ein Teil des Kaufpreises hängt von künftigen Ergebnissen ab. | Nur sinnvoll, wenn Steuerbarkeit, Kundenbindung und Ergebnisdefinition klar geregelt sind. |
Verkäuferdarlehen | Ein Teil des Kaufpreises bleibt gestundet oder wird als Darlehen gewährt. | Zinsen, Rang, Sicherheiten, Rückzahlung und Ausfallrisiko müssen klar geregelt sein. |
Kaufpreiseinbehalt | Ein Teil wird zur Absicherung von Risiken zurückbehalten. | Umfang, Freigabezeitpunkt und konkrete abgesicherte Risiken definieren. |
Locked Box | Kaufpreis wird auf Basis eines festgelegten Bilanzstichtags vereinbart; danach gelten Entnahmeverbote und Leakage-Regeln. | Zwischen Stichtag und Closing müssen Lohnvorfinanzierung, Forderungen und normale Geschäftstätigkeit sauber überwacht werden. |
Übergabe der Geschäftsführung
Neben der wirtschaftlichen Stichtagslogik muss die operative Übergabe geplant werden. Wer informiert Kunden? Wie werden interne Mitarbeiter eingebunden? Wann wird die neue Geschäftsführung bestellt? Wie wird die Bankkommunikation gesteuert? Welche Zugänge, Vollmachten und Systeme müssen zum Closing umgestellt werden? Diese Fragen sollten nicht erst nach der Beurkundung gelöst werden.
Ablauf eines Share Deals in der Praxis
Ein Share Deal in der Zeitarbeit folgt einer klaren Reihenfolge. Die Schritte ähneln anderen Unternehmensverkäufen, müssen aber um branchenspezifische Prüfungen ergänzt werden.
Zielbild klären: Verkaufsmotivation, Rolle nach Closing, Mindestpreis, zeitlicher Rahmen und Dealstruktur definieren.
Unternehmensanalyse erstellen: Zahlen, Kunden, Mitarbeiter, AÜG-Compliance, Working Capital und Risiken auswerten.
Kaufpreislogik vorbereiten: Enterprise Value, Equity Value, Cash, Debt, Working Capital und Sondereffekte nachvollziehbar ableiten.
Anonymes Profil erstellen: Käufer erhalten Substanz ohne unnötige Offenlegung der Identität.
Geeignete Käufer ansprechen: Strategische Passung, Finanzierungskraft und Vertraulichkeit prüfen.
NDA und Informationsstufen steuern: Sensible Daten erst nach ernsthaftem Interesse freigeben.
Indikative Angebote vergleichen: Kaufpreis, Struktur, Haftung, Finanzierung und Vollzugssicherheit bewerten.
Due Diligence durchführen: Finanzen, Steuern, Recht, AÜG, Personal, Kunden, IT und Organisation prüfen lassen.
Kaufvertrag verhandeln: Anteile, Kaufpreis, Stichtag, Garantien, Freistellungen, Zahlung und Übergabe regeln.
Signing, Closing und Integration: Notarielle Beurkundung, Bedingungen, Geschäftsführung, Kommunikation und operative Übergabe umsetzen.
Hinweis: Diskretion bleibt entscheidend |
Auch beim Share Deal sollte der Verkaufsprozess nicht breit gestreut werden. Kunden und Mitarbeiter reagieren sensibel auf Gerüchte. Ein strukturierter Prozess arbeitet deshalb mit anonymen Kurzprofilen, abgestuften Informationen und einer klaren Kommunikationsstrategie. |
Häufige Fehler beim Share Deal
Fehler 1: Nur auf den Umsatz schauen
Umsatz ohne auskömmliche Marge, stabile Kunden und saubere Lohnkosten ist kein belastbarer Werttreiber. Entscheidend ist die nachhaltige Ertragskraft.
Fehler 2: AÜG-Compliance zu spät prüfen
Offene AÜG-, Tarif-, Equal-Pay- oder Prüfungsfragen werden im Share Deal nicht ausgeklammert, sondern gehen wirtschaftlich mit der Gesellschaft auf den Käufer über.
Fehler 3: Working Capital unterschätzen
In der Zeitarbeit kann Wachstum Liquidität binden. Wer Forderungslaufzeiten, Löhne, Arbeitszeitkonten und Factoring nicht erklärt, riskiert Kaufpreisabschläge.
Fehler 4: Garantien als Formsache betrachten
Garantien und Freistellungen können nach Closing wirtschaftlich relevant werden. Verkäufer sollten verstehen, welche Zusagen sie tatsächlich geben.
Häufige Fragen zum Share Deal in der Zeitarbeit
Was ist ein Share Deal in der Zeitarbeit?
Beim Share Deal verkauft der Inhaber die Gesellschaftsanteile an einem Zeitarbeitsunternehmen. Die Gesellschaft bleibt bestehen; Kundenverträge, Arbeitsverhältnisse, Forderungen, Verbindlichkeiten und die AÜ-Erlaubnis verbleiben grundsätzlich im Rechtsträger.
Geht die AÜ-Erlaubnis beim Share Deal mit über?
Die AÜ-Erlaubnis wird nicht isoliert übertragen. Sie verbleibt beim bestehenden Rechtsträger, dessen Anteile verkauft werden. Der Käufer übernimmt damit auch die Erlaubnishistorie und muss Änderungen in Geschäftsführung und Organisation sauber prüfen.
Warum prüfen Käufer beim Share Deal so intensiv?
Weil der Käufer die Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit übernimmt. Steuern, Sozialversicherung, Lohnabrechnung, AÜG-Compliance, Rechtsstreitigkeiten und Altverpflichtungen können nach Closing wirtschaftlich relevant werden.
Wie wird der Kaufpreis beim Share Deal berechnet?
Häufig wird zunächst ein operativer Unternehmenswert abgeleitet. Daraus wird unter Berücksichtigung von Liquidität, Finanzverbindlichkeiten, Working Capital, Rückstellungen und Sondereffekten der Wert der Gesellschaftsanteile abgeleitet.
Was ist der Unterschied zwischen Enterprise Value und Equity Value?
Der Enterprise Value beschreibt den operativen Unternehmenswert. Der Equity Value ist der Wert der Anteile nach Berücksichtigung von Cash, Debt, Working Capital und weiteren Kaufpreisanpassungen.
Was passiert mit bestehenden Forderungen?
Beim Share Deal bleiben Forderungen grundsätzlich in der Gesellschaft, soweit vertraglich nichts anderes geregelt wird. Deshalb sind Forderungsalter, Zahlungsziele, Ausfälle und Factoring besonders relevant.
Welche Rolle spielt Working Capital?
Working Capital zeigt, wie viel Liquidität die Gesellschaft für den laufenden Betrieb benötigt. In der Zeitarbeit ist das wichtig, weil Löhne und Personalnebenkosten häufig vor Zahlungseingang der Kunden finanziert werden.
Sind Kunden beim Share Deal automatisch gebunden?
Vertragspartner bleibt grundsätzlich dieselbe Gesellschaft. Dennoch sind Kündigungsrechte, Change-of-Control-Klauseln, persönliche Kundenbindung und Kommunikationsrisiken zu prüfen.
Wie lange dauert ein Share Deal?
Bei guter Vorbereitung kann Käuferinteresse innerhalb weniger Wochen entstehen. Due Diligence, Vertragsverhandlung, Notartermin, Closing-Bedingungen und Übergabe benötigen jedoch regelmäßig mehrere Monate.
Wann ist ein Share Deal besser als ein Asset Deal?
Ein Share Deal kann sinnvoller sein, wenn der laufende Rechtsträger, die AÜ-Erlaubnis, Kundenverträge und operative Kontinuität erhalten bleiben sollen und die Alt-Risiken beherrschbar sind. Ebenso wenn es sich um ein profitables Unternehmen mit EBIDTA > 4 % handelt.
Fazit: Ein Share Deal verkauft Kontinuität – aber auch Vergangenheit
Ein Share Deal in der Zeitarbeit kann für Verkäufer und Käufer sehr attraktiv sein, wenn ein funktionierendes Zeitarbeitsunternehmen als Einheit übergehen soll. Kundenverträge, Mitarbeiter, Prozesse, Forderungen, Verbindlichkeiten und die AÜ-Erlaubnis verbleiben im Rechtsträger. Diese Kontinuität ist der größte Vorteil gegenüber einem Asset Deal.
Gleichzeitig ist genau diese Kontinuität der Grund für die intensive Prüfung. Käufer bezahlen nicht nur für Umsatz und Ergebnis, sondern bewerten die gesamte Gesellschaft: Ertragskraft, Kundenstruktur, Mitarbeiterbasis, AÜG-Compliance, Working Capital, Altverpflichtungen und Inhaberunabhängigkeit. Ein gut vorbereiteter Share Deal macht diese Punkte transparent, bevor sie in der Due Diligence zum Problem werden.
Ihr Schritt nach "Share Deal in der Zeitarbeit" |
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Quellen und rechtlicher Hinweis
Offizielle Grundlagen: Bundesagentur für Arbeit – Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung | Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) | § 613a BGB
Dieser Beitrag vermittelt allgemeine unternehmerische Informationen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Dealstruktur, Betriebsübergang, Erlaubnissituation und steuerliche Folgen sollten vor Umsetzung geprüft werden.




